

Pressemitteilung
27. Mai 2009
„Verhaften Sie mich, ich bin ein Künstler“
Junger Künstler im russischen Nowosibirsk inhaftiert
Artem Loskutov, ein bekannter zeitgenössischer Aktions- und Videokünstler aus Novosibirsk, wurde am 15. Mai 2009 auf offener Straße
von einer Antiextremismuseinheit der russischen Miliz festgenommen. Unterstellt werden ihm „extremistische Vorbereitungen“ und Drogenbesitz. Der eigentliche Grund ist seine Kunst und die unbequemen Fragen, die er
stellt.
Was ist normal: diese Frage stellen die Künstler der Gruppe „Die Omi nach dem Begräbnis" und Artem Loskutov unter dem Motto: „Das Absurde der Macht kann nur mit Absurdem beantwortet werden“. Durch Brüskierung und Provokation zwingen die Künstler ihre Zuschauer, eigene Positionen zum Zustand der russischen Gesellschaft zu beziehen.
"Es kann nur eine Antwort auf den unendlich vielfältigen Appetit der Macht geben: Die Zukunft gehört unserem Lachen!" „Die Omi nach dem
Begräbnis" bezieht die Stadt, Züge, Denkmäler, Kundgebungen und Jahrestage in ihre Performance ein. „Yyyt!“, „Spülen Sie, wenn Sie
fertig sind!“, „Wo bin ich?“, "Gehirne für das Volk" – sind seit 5 Jahren Parolen auf der alternativen 1. Mai-Demonstration in Nowosibirsk
– die neben und gegen die „normalen“ vor allem nationalistischen Parolen der traditionellen Demonstranten stehen.
Die politischen Kunstaktionen der Gruppe haben international Aufsehen und Interesse erregt. So waren die Arbeiten auf der Documenta 12 der Moskauer Biennale 2008, sowie bei anderen namhaften Veranstaltungen vertreten. Auch internationale Medien u.a. die BBC und der
Deutschlandfunk berichteten.
Für die russischen Ordnungskräfte waren die Aktionen Loskutovs nur ein öffentliches Ärgernis, das sie nun nach dem Prinzip: maximale
Strafandrohung auf Grund oberflächlicher Beschuldigungen, zu beantworten scheinen. Der Verteidiger Valentin Demidenko bezeichnete das Verfahren als „von Lücken, Lügen und Fehler durchzogen“. Die Hochschule, an der Artem angeblich Drogen verteilt haben soll, existiert nicht, und sein angeblicher Komplize, gegen den ebenfalls ermittelt wird, lebt seit Jahren im Ausland. Abgesehen von dem Beschluss, dass „der Angeklagte um unbekannte Zeit am unbekannten Ort bei unbekannter Person für unbekannte Summe das Paket mit 11 Gramm Marihuanna erwarb“, hatte die Ankläger nichts vorzuwerfen. Loskutov allerdings bestreitet, dass die Drogen von ihm stammen und seine Verteidigung wird ob des richterlichen Beschlusses in Revision gehen. Loskutov drohen nun drei Jahre Gefängnis.
Für den jungen Mann haben bekannte Künstler, Politiker und Wissenschaftler gebürgt. Dennoch muss er weiterhin in Haft bleiben. In
mehreren Städten Russlands fanden Protestaktionen für Loskutov statt.
Die Wahrung von Meinungs- und Kunstfreiheit liegt in den Händen von Zivilgesellschaft, Medien und Politik. So grenzüberschreitend wie diese
Prinzipien sind, so unteilbar ist die Verantwortung. Russische und europäische Stimmen müssen laut werden.
Spenden für die Anwaltskosten Loskutovs
Kontoinhaber: Roter Baum gGmbH Servicestelle Leipzig
Bank fuer Sozialwirtschaft
BLZ: 85020500;
Ktnr. 3619703;
Verwendungszweck: Spende Rechtsbeistand Artem Loskutov (unbedingt angeben!)
Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Fall wünschen, können Sie uns
jederzeit unter kirilina@zedat.fu-berlin.de, viktoria.balon@googlemail.com und maxim.neroda@googlemail.com erreichen.
Weitere Information:
http://www.sueddeutsche.de/n5e38B/2903081/De-Monstration-der-Macht.html
„Denke global, handle idiotisch“
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/878625/
„BU GA GA!“. Junge Aktionskünstler aus Nowosibirsk
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/dschungel/-/id=658850/nid=6588...
Information auf Deutsch
http://delphinov.net/
Information auf Englisch
http://free.kissmybabushka.com/
Information auf Russisch - Kultura. No 4, 2006 „Neue Wege des Dialogs
zwischen Kunst und Gesellschaft“
http://www.kultura-rus.de/
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